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Wie baue ich eine (Piraten-)Gartenbahn ?

Es gibt viele Vorgehensweise, eine Gartenbahn zu bauen. Hier soll die der Piratenbahn beschrieben werden.

Gleismaterial

Ich habe Anfang des Jahrtausends von industriell gefertigten Fertiggleisen aus Messing auf Flexgleise aus Edelstahl, möglichst in 3m Länge umgestellt. Neben dem geringeren Wartungsaufwand war vor allem die flexiblere Gleisführung das Hauptargument. Da die Gleise des Gartenbahn-Teams nicht mehr erhältlich sind, habe ich Ergänzungen in der Ebene in vernickeltem Flexgleis ausgeführt. Meine Weichen sind alle vernickelt, in der Masse LGB R 3 (R=117,5cm). Bogen- und Y-Weichen sind von Thiel und Piko. LGB- und Piko-Weichen habe ich nachvernickeln lassen. Passende Edelstahlweichen sind leider nicht erhältlich.

Warum Edelstahl ?


Das Bild zeigt von oben nach unten:
- vernickeltes Gleis (Thiel)
- Messinggleis (LGB nach längerem Gebrauch auf einer Außenanlage)
- Edelstahl (Gartenbahn-Team)
Vernickelte Gleise und Edelstahlgleise anderer Hersteller (Aristo, Revalda) sind meist hochglänzend, Aristo-Gleise habe ich nur im unsichtbaren Bereich verbaut.
Für Steigungsstrecken ist vernickeltes Gleis ungeeignet, es ist zu glatt und bei Feuchtigkeit daher zu rutschig.
vernickelte_weiche_an_edelstahl.jpg
Eingebaut sticht vernickeltes Gleis (hier die Weiche) schon deutlich aus dem Edelstahlgleis hervor.

Schienenverbinder


Linkes Bild: links der Standard-Schienenverbinder mit 19mm Länge, rechts die Kurzversion mit 14mm Länge.
Die Kurzversion verwende ich z.B. an Weichen, die damit leichter zu Wartungszwecken demontiert werden können.
Rechtes Bild: Standard-Schienenverbinder an einer Weiche.

Ausrichtung und Spurweite


Zur Kontrolle der Gleisausrichtung in Längs- und Querichtung habe ich von Aristo eine 2-achsige Wasserwaage. Zusätzlich kann ich damit auch die Spurweite bei gebogenen Bögen etc. kontzrollieren.

Gleise biegen

Meine Flexgleise biege ich mit dem Gleisbieger von Flueck. Dieses Gerät biegt fertige Gleise, d.h. Gleise, bei denen die Profile bereits auf dem Schwellenbett aufgezogen ist. Bei den langen 3m Gleisen für Kurven biege ich diese auf der Terrasse grob vor, so dass sie auf das Gelände passen und biege sie dann vor Ort fertig.

Stromversorgung

Die Messinggleise im LGB-Gartenbahnprofil haben ungefähr eine Stromleitfähigkeit wie ein Kupferkabel mit 10qmm Leitungsquerschnitt.Ein dünnerer Querschnitt ist für eine “echte” Ringleitung also ungeeignet. Bei Edelstahlgleisen, die etwa um den Faktor 10 schlechter leiten als Messinggleise, sollte immer eine entsprechende Ringleitung “Gleisstrom” verwendet werden.

Weichen

Leider gibt es keine vollkommenen Weichen. Thiel, der in meinen Augen die beste Weichenqualität anbietet, führt keine (geraden) Weichen mit R117. Wenn erforderlich, werde ich die Piko-Bogenweichen durch Thiel-Bogenweichen ersetzen. Damit ist dann das Kapitel Piko-Weichen bei mir abgeschlossen.
Knackpunkte meiner Weichen:
LGB:
Bild folgt
Bei LGB-Weichen löst sich gerne die gepunktete Stromverbindung unter den Schwellen, die Weichenzungen und anschließende Gleisstücke zu Herzstück sind dann stromlos.
Piko:

Meine Piko-Bogenweichen haben rostende Schrauben in der Stromverbindung zu den Weichenzungen-Gleisstücken. Ich habe sie nach ca. 1 Jahr Betrieb nachvernickeln lassen.
Thiel:

Thiel-Weichen haben ein Schwellenprofil, in das der LGB-Weichenantrieb (wie auch der Böhler-Weichenantrieb mit LGB-Adapter) höhenmäßig nicht ganz hineinpassen. Bei Verlegung in losem Splitt (wie bei der Piratenbahn) stört dieses aber nicht. Im Bild hier der Böhler Weichenantrieb mit der LGB-Adapterplatte.

Weichenantriebe

Ich verwende nur die LGB “EPL” Weichenantriebe. Die ersten von 1997 sind in Masse immer noch in Betrieb. Böhler Weichenantriebe benötigen eine “LGB-Adapterplatte” und haben einen langsameren Stellvorgang. Mit dem umstieg auf Rocrail habe ich die beiden noch vorhandenen testweise verbauten Böhlerantriebe ausgebaut, um eine zügige Fahrstraßenschaltung zu gewährleisten. Qualitativ waren sie in den verbauten 10 Jahren nicht zu beanstanden.

links: LGB “EPL” Weichenantrieb, hier montiert an einer Thiel-Y-Weiche.
rechts: Böhler Weichenantrieb mit LGB-Adapterplatte. Der Böhler benötigt ein 3-adriges Anschlusskabel.

EPL Zusatzschalter

An den LGB-Weichenantrieb kann ein 2-poliger Umschalter angesteckt werden. Gut verwendbar zur Herzstückpolarisation oder für Stoppgleise (abschaltbare Abstellgleise).

Im Bild sind die Kabel für den Gleisanschluss bereits montiert, das Kabel zum Herzstück fehlt noch. Der Zusatzschalter wird einfach in den Weichenantrieb an dieser Stelle eingeschoben.

Herzstückpolarisation

Herzstückpolarisation verwende ich nicht, auch nicht bei den größeren Thiel-Bogenweichen. Meine Loks sind mit Strompuffern ausgerüstet, damit überstehen sie auch defekte LGB-Weichen. Zudem ist, besonders bei Gastfahrern, nicht immer eine ausreichende Disziplin bezüglich einer korrekten Weichenlage vorhanden.

Strombrücken


Strombrücken habe ich an allen wichtigen LGB-Weichen montiert, damit ist auch bei defekter Stromverbindung innerhalb der Weiche die versorgung des anschließenden Gleisabschnittes gesichert.
Das Bild zeigt links “normale” (19mm) und rechts “kurze” (14mm) Schienenverbinder.

Kehrschleifen

Ich verwende nur noch Kehrschleifenmodule, die mit Sensorgleisstücken arbeiten. Meine von Xteq sind nicht mehr erhältlich, aber das Sensorprinzip ist bei allen Modulen dieser Technologie gleich. Als Sensorgleisstück reich in der Regel ein ca. 3cm langer beidseitig isolierter Gleisabschnitt, ich verwende wegen der besseren mechanischen Stabilität die jeweils 7,5cm langen Abschnitte der LGB-Trenngleise (LGB Nr. 10152).
Bei der Auswahl des Kehrschleifenmoduls sollte der anschließbare Kabelquerschnitt berücksichtigt werden. Gleisstromkabel sollten mit 1,5qmm leitungsquerschnitt verlegt werden, für den Anschluss der Sensorgleise reicht bei mir 0,5qmm leitungsquerschnitt.
WICHTIG Die Sensorgleise können nur funktionieren, wenn diese sowie die angrenzenden Schienenstücke eine einwandfreie Stromübertragung zu den Lokrädern gewährleisten. Daher ist hier regelmäßiges Reinigen (auch und gerade von Fallstaub und sonstigen abgesetzten Luftverschmutzungen) unverzichtbar. Wenn bei der ersten Fahrt nach einer Betriebspause die Kehrschleifenmodule nicht wie gewünscht arbeiten, sollte hierhin der erste Blick gehen.

Länge der Kehrschleife

Gerade bei Gleisdreiecken (auch das sind Kehrschleifen) ist die “normal” verfügbare Gleislänge in der Kehrschleife zu kurz, um die gewünschte Zuglänge aufzunehmen. In diesem Falle sollte eine Weiche des Gleisdreiecks ausgewählt werden, an die die “Kehrschleifenstrecke” schaltungstechnisch angehängt werden kann.
piratenbahn-2016-01.jpg
In meinem Plan ist grün gezeichnet die Kehrschleife zwischen den Weichen W22, W23 und W24. Die kantenlängen des Gleisdreiecks sind mit ca.2m natürlich viel zu kurz für meine 10m Züge, also habe ich unten an die Weiche W23 die o.a. Kehrschleifenverlängerung angehängt.
Eine Ebene darunter liegt noch eine weitere (kürzere) Kehrschleife, bitte dadurch nicht verwirren lassen.

Rückmeldung (Sensoren)

Reedkontakte


Linkes Bild (von links):
Meder MK 471B, Pollin, MS 313-3 sowie die Befestigungsschrauben
rechtes Bild:
Reedkontakt Meder MK 471B eingebaut. Das Kabel vom Reedkontakt zum Rückmeldemodul ist im Split verlegt, die Verlängerung ist angelötet und mit Schrumpfschlauch gesichert.


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