Car Routing

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  • Gerald's Posting


This posting is from Gerald R. Posted: 21-01-2009

Hi Rob,

der Beitrag von Mark hat mich auf weitere Ideen gebracht.
Zunächst schienen mir Rocrail-Automatik und Betrieb mit Wagenkarten/Frachtzetteln nicht so richtig zusammen zu passen. Dies weil eine Automatisierung bei unseren Modul-Treffen bisher nicht denkbar ist. Die Mehrzahl der Betriebsstellen wird analog oder manuell (über Stellstangen) gesteuert. In NRW hat sich jedoch ein Gruppe von Modulbahnern darauf verständigt, die Bahnhöfe auf Digitalbetrieb umzustellen, da ist also was im Gange.

Zum Thema Wagenkarten, Rocrail und automatischer Betrieb: Ich kann Marks Eingangsbemerkung “I warn you that this is really complex stuff” nur unterstreichen - hier hast Du ein Fass aufgemacht, das uns lange beschäftigen wird ;-)

Ich werde jetzt zu folgenden Punkten etwas schreiben:


Streckenfahrten

In meiner letzten Mail schrieb ich zum Thema Güterbetrieb und Rocrail u.a. “Bei Rocrail steht … der automatische Betrieb im Vordergrund - wie soll das nun zusammen passen?” Nun, Marks Überlegungen haben mich an das erinnert, was meine ursprüngliche Idee im Zusammenhang mit Computersteuerung und Modellbahn war: die Software schickt die Züge aus dem Schattenbahnhof oder von anderen Bahnhöfen über die Strecke, sie werden am Einfahrsignal des Bahnhofs manuell übernommen, dort abgefertigt und am Ausfahrsignal wieder an die PC-Steuerung übergeben. Das wäre wohl das, was Mark mit 'a user steals a loc from Rocrail' meint. Die Streckenfahrten, also der Job des Lokführers beim Modulbetrieb, der den Zug von Bahnhof zu Bahnhof fährt, wären also am ehesten vom Computer zu übernehmen. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das mit Rocrail z.Zt. (noch) nicht möglich.

Rangierbetrieb im Bahnhof

Dürfte schwierig zu automatisieren sein; Voraussetzung wären zu einhundert Prozent funktionierende Digital-Kupplungen; so etwas kenne ich bisher nicht. Gängige Produkte auf dem Markt erreichen maximal eine Betriebssicherheit von 95 bis 99 %, was zu wenig ist (sagte mir ein Mitarbeiter von MO87 in Bad Driburg, wo man an genau diesem Problem arbeitet).

Abgesehen davon bietet die Rangiererei den größten Spaß-Faktor; diesen Job wollte ich nicht unbedingt an die Software abgeben.
Die Mischung von rein manuellem Betrieb und Automatik-Steuerung ist - wenn ich es richtig verstanden habe - bei Rocrail bisher nur möglich durch die Freigabe von Blöcken für Geisterzüge. Die Erkennung von Geisterzügen ist aber wohl doch eher eine Sicherheitsfunktion von Rocrail und nicht eigentlich für 'Rangierbetrieb im Bahnhof' gedacht?

Zugmeldungen

Sie sind ein integraler Bestandteil des Modulbetriebs, denn die Strecke muss schließlich frei sein, wenn ein Zug von einem Bahnhof zum nächsten unterwegs ist.

Auf Modultreffen wird dies übers Telefon geregelt. Seit einiger Zeit kommt bei den Treffen des FKTT auf der zweigleisigen Hauptstrecke eine Software (RGZM) zum Einsatz, über die Zugmeldungen erfolgen. Bei der dichten Zugfolge dort ist das Melden über Telefon innerhalb der verkürzten Modellzeit nicht mehr zu bewältigen. Voraussetzung ist natürlich, dass jede Betriebsstelle an der Hauptbahn mit einem (WLAN-fähigen) PC ausgestattet ist.

Auf Rocrail übertragen hieße dies: Bereitstellung einer Funktion, die es Fahrdienstleiter A ermöglicht, bei Fahrdienstleiter B die Reservierung der Strecke A - B anzufragen. Dies müsste dann Fahrdienstleiter B bestätigen, also die Strecke freigeben (genau dies ist die Funktion der Software RGZM).

Diese Anfrage könnte natürlich auch von Rocrail generiert werden - wenn Rocrail den 'Fahrdienstleiter A' stellt.

Frachten und Wagenpapiere

Dieser Aspekt des Güterbetriebs sieht zunächst ganz einfach aus: eine Wagenkarte für jeden Wagen und Frachtzettel für die Ladung, das wars. Aber diese Sache hat es in sich.

Denn: hier kommen nicht nur betriebliche und technische Aspekte ins Spiel, sondern wirtschaftliche, geografische und historische Faktoren spielen ebenso eine Rolle. Wenn (imaginäre) Güter auf unserem Layout transportiert werden sollen, dann müssen sie ja irgendwo her kommen. Und sie müssen sinnvolle Bestimmungsorte haben.

Man muss sich also überlegen, welche Ladestellen sind im Bahnhof vorhanden. Hier spielt auch die Epoche eine Rolle, in der sich der Betrieb abspielt. In der Jetzt-Zeit gibt es kaum noch Betrieb an Laderampen oder Ladestraßen. Vieh wird schon lange nicht mehr mit der Bahn transportiert. Der Stückgutverkehr wurde bei den deutschen Bahnen im Jahr 1994 aufgegeben - danach gab es im Grunde nur noch Einzelwagenverkehr. Und selbst der ist heutzutage kaum noch vorhanden.
In den von vielen Modellbahnern bevorzugten Epochen III und IV sah das noch ganz anders aus. Das ist bei der Frage der Ladestellen in den Bahnhöfen zu berücksichtigen.

Dann: wie oft werden die Ladestellen bedient? Einmal die Woche? Bekommt z.B. Kohlenhändler Schulze seinen O-Wagen mit Eierkohlen an mehreren Wochentagen oder sogar täglich? Wie oft verschickt die Molkerei Sauermilch ihre Produkte mit dem Kühlwagen, wo wird der beladen? Wo geht die Ware hin?

Welche Güter bekommt die Brauerei “Gerstengold” über ihren eigenen Gleisanschluss geliefert? Wo kommen die Gerste und das Malz her - das ist schließlich auf den Frachtzetteln zu vermerken - wie oft werden sie angeliefert? Von wo bekommt die Brauerei ihr Leergut, wohin verschickt sie ihre Fässer und Kästen? - Nebenbei bemerkt: eine Brauerei gehört eigentlich auf jede Anlage, oder sehe ich das falsch ;-) ?

Eine sehr anschauliche Abhandlung über Frachtzettel findet sich übrigens hier: Unterhalten sich zwei Modulisten …
http://freenet-homepage.de/Schienentiger/modulist/frachtka.htm
Ist aus der Sicht von Reichsbahnern geschrieben, lässt sich aber ohne weiteres auf die Verhältnisse anderer Bahngesellschafen übertragen.

Was kann Rocrail hier nun leisten? Wenn es den Job des Strecken-Lokführers übernimmt, dann muss Rocrail auch Wagenkarten und Frachtzettel mit den jeweiligen Zügen transportieren. Hier öffnet sich ein weites Spielfeld für Datenbankspezialisten, denn ohne eine relationale Datenbank, wie z.B. mySQL, geht hier gar nichts.

Die betrieblichen Aspekte (jetzt auf den rein manuellen Modulbetrieb bezogen) lassen sich übrigens hier noch mal gut nachlesen:
http://www.ttmodule.reichsbahnamt.de/index.php?id=34

Zum Erstellen von Wagenkarten und Frachtzetteln gibt es bereits zahlreiche Programme. Für


Ein Überblick über verfügbare Programme findet sich hier:
http://www.ttmodule.reichsbahnamt.de/index.php?id=94

Und wer noch mal etwas zum Thema “Güterverkehr” nachlesen möchte (ist aus der Sicht von DR-Bahnern zur Zeit von Epoche III/IV geschrieben), der kann sich hier einen entsprechenden Text (mit Abbildung von Frachtzetteln und zahlreichen Erläuterungen) herunterladen:
http://www.ttmodule.reichsbahnamt.de/fileadmin/user_upload/tbastian/Handbuch_Gueterverkehr__10.010.02.doc

Wettbewerb

Den Wettbewerbsgedanken, den Mark zum Schluss in seinem Beitrag herausstellte, habe ich nun überhaupt nicht berücksichtigt.
Beim Modulbetrieb geht es auch weniger darum, etwas “besonders schnell” zu machen, vielmehr stehen die Orientierung am großen Vorbild (also dem realen Betrieb) und die Betriebssicherheit im Vordergrund. Und wenn denn mal ein Lokführer ein Halt zeigendes Signal übersieht und plötzlich mit seinem Zug im Bahnhof auftaucht, noch bevor der Fahrdienstleiter die Einfahrt freigegeben hat, dann ist bestenfalls eine Runde Bier für die Mannschaft des Bahnhofs (Fahrdienstleiter, Rangierer, Wagenmeister und wer bei großen Bahnhöfen dort sonst noch Dienst tut) fällig. Ob wir so etwas Rocrail auch noch beibringen können :-))?

In diesem Sinne
viele Grüße
Gerald



This posting is from Gerald R. Posted: 20-01-2009

Wir fahren beim FKTT (Freundeskreis TT-Module) in Anlehnung an das FREMO-System nach Fahrplan, mit Wagen- und Lokkarten und Frachtzetteln.
Nachdem Dirk den Link auf die entsprechende FREMO-Seite gepostet hatte, sah ich erst mal keine Notwendigkeit, mich dazu im Forum zu äußern. Ich kann Dir aber gerne von meinen Erfahrungen zu diesem Thema berichten.
Zunächst mal: zuhause fahre ich zwar gelegentlich nach Fahrplan mit Modellzeit, allerdings setze ich hier Wagenkarten und Frachtzettel bisher nicht ein. Das machen wir (damit meine ich mich und Rainer - marsu1960) vor allem auf Modultreffen.

Dazu muss man wissen, dass auf Modultreffen ausschließlich im Handbetrieb gefahren wird. Entlang der Module ist eine Loconet-Leitung mit Loconet-Boxen (ca. alle drei bis fünf Meter) zum Einstöpseln der Freds verlegt. Gefahren wird jeder Zug von einem Lokführer, der den Zug auf seinem Weg entlang der Module (das können schon mal 40 Meter oder mehr sein) begleitet.

Schauen wir uns z.B. mal den Dienst auf einem Ng (Nahgüterzug) an: der Lokführer übernimmt im Fiddelyard (der Einsatzstelle für den Ng) vom Wagenmeister einen Stapel mit Wagenkarten. Diese Karten sind in der Reihenfolge der Wagen im bereitstehenden Zug sortiert, obendrauf ist die Karte mit dem Umlaufplan für die Lok.
Auf jeder Wagenkarte befindet sich in einer Einstecktasche ein schmaler Frachtzettel, auf dem Betimmungsort und Ladung des betreffenden Wagens vermerkt sind. Nun bekommt der Lokführer noch den zur Lok gehörenden Fred, und wenn er den Abfahrauftrag erhalten hat, geht es auf die Strecke.
Im ersten Bahnhof übergibt er dem dortigen Fahrdienstleiter die Karten der Wagen, die für diesen Bahnhof bestimmt sind (was man an den Frachtzetteln ja sehen kann). Wenn im Bahnhof keine Rangierlok vorhanden ist, dann muss der Lokführer mit seiner Streckenlok die Rangieraufgaben leisten, wobei der Fahrdienstleiter ihm sagt, auf welches Gleis im Bahnhof die abzugebenden Wagen zu rangieren sind.
Wenn im Bahnhof bereits Wagen bereit stehen, die der Ng mitnehmen soll, dann müssen diese anschließend in den Zug eingestellt werden. Der Lokführer erhält vom Fahrdienstleiter des Bahnhofs die zugehörigen Wagenkarten mit den Frachtzetteln und sortiert diese in seinen Kartenstapel ein. Wenn der Zug dann vom Fahrdienstleiter an die nächste Betriebsstelle gemeldet wurde und der Zug von dort angenommen wurde, dann bekommt der Lokführer seinen Abfahrauftrag und es geht weiter zum nächsten Bahnhof, wo sich dieses Spiel dann wiederholt.

Das ist ein ganz kleiner Ausschnitt aus dem Betriebsgeschehen während eines Modultreffens. Es spielt sich ab auf einem Modularrangement, das eine ganze Dreifelder-Turnhalle füllen kann. Da kommen dann schnell 150 oder mehr Module zusammen.
Die Betriebsstellen (Bahnhöfe, Fiddelyards usw.) sind untereinander über eine Telefonanlage verbunden, über die die Zugmeldungen erfolgen.
Gefahren wird nach Modellzeit, meist 1:4 bis 1:6. Dazu sind in der gesamten Halle mehrere Nebenuhren installiert, die von einer Mutteruhr (in der Regel ein PC mit Uhrenprogramm) gesteuert werden.

Der Fahrplan wurde zuvor von den Fahrplanern mittels eines speziellen Programmes (FBS) erstellt. Für die Lokführer gibt es Buchfahrpläne, für die Fahrdienstleiter Bahnhofsfahrordnungen und Fahrpläne, ferner Lokumlaufpläne u.a., die allesamt mit dem FBS erstellt wurden (das ist eine professionelle Software, die auch von Bahngesellschaften eingesetzt wird).

Wagenkarten und Frachtzettel sind ein wichtiger Bestandteil in diesem gesamten Betriebsgeschehen; ohne sie wäre ein sinnvoller Güterverkehr undenkbar.

Nun ist dieses ganze Geschehen sehr personalaufwändig und macht nur im Handbetrieb Sinn (weil eben gaaaanz viel rangiert wird). Bei Rocrail steht dagegen der automatische Betrieb im Vordergrund - wie soll das nun zusammen passen?

Dabei ist Rocrail für den Modulbetrieb schon sehr gut einsetzbar. Einmal als Stellwerk für Bahnhöfe (findet bei Rainer und mir bereits statt). Dann wäre durchaus denkbar, dass Rocrail als Zentrale genutzt wird (als Ersatz für Intellibox oder Digitrax Chief).
Auf Modultreffen müssen immer sehr viele Freds den Loks zugewiesen werden. Über das Rocrail-Lokbedienfeld ist das überaus einfach möglich. Andererseits stellt Rocrail zur Zeit keine komfortable Möglichkeit bereit, lange (vierstellige) Adressen den Decodern zuzuweisen.
Für die Ansteuerung der Uhren benötigen wir einen Uhrentakt, der von einem PC-Programm generiert und auf eine serielle Schnittstelle ausgegeben wird. In Rocrail ist eine Modellzeituhr enthalten - perfekt! Was fehlt jedoch fehlt, ist die Ausgabe der Uhrentaktes zur Ansteuerung von Tochteruhren sowie Buttons zum Stoppen und Starten der Uhr - wenn eine Betriebsunterbrechung nötig ist - z.B. bei einem Kurzschluss, oder wenn alle mal ein Bier brauchen :-)))
Nach all dem, was ich hier bisher geschrieben habe, verstehst Du vielleicht, warum ich mich im Forum bisher nicht geäußert habe. Ich würde eine ganze Woche brauchen, diesen Text auf Englisch zu verfassen ;-)

Vielleicht hast Du aber ganz andere Vorstellungen davon, was mit Wagenkarten und Frachtzetteln zu machen ist - wir können uns ja in Solingen mal darüber unterhalten. Wenn es Dich interessiert, bringen wir Wagenkarten und Frachtzettel mit. Für Excel existieren übrigens zwei Programme zum Ausfüllen und Drucken dieser Karten und Zettel.
So weit fürs Erste, wenn Du Fragen hast, nur zu …
Viele Grüße
Gerald


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